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Frühmittelalterliche Sprache...

Heliand (um 830)

Der im Altsächsischen Taufgelöbnis des 8. Jahrhunderts erwähnte Gott Saxnote bleibt leider die einzige bekannte Erwähnung des Gottes der Saxen; seine Existenz bleibt deshalb fraglich. [21]

" ...benidiun blêka». Thô gibolgan uuard
snel suerdthegan, Sîmon Petrus,
uuell imu innan hugi, that he ni mahte ênig uuord sprekan:
sô harm uuard imu an is hertan, that man is hêrron thar
binden uuelde. Thô he gibolgan geng..."

Sehr schön läßt sich hier der (aus)sprachliche Übergang zwischen Wodan und Odin ableiten. W entspricht uu und verliert sich schnell als gehauchter Laut. Stellen wir uns das a ausgesprochen wie [ae] vor, ist es zum spitzeren [ie] nicht mehr weit, zumal erst die Schriftsprache eine gewisse Eindeutigkeit fordert - aus uuodaen ist odi(e)n gworden.

Sächsisches Taufgelöbis: Fränkisches Taufgelöbnis: Übersetzung:
Forsáchistu 1 Diobolae? et respondeat a: ec forsacho Diabolae.

end allum diobolgelde? respondeat b: end ec forsacho allum diobolgeldae.
end allum dioboles uuercum? respondeat c: end ec forsacho allum dioboles uuercum and uuordum Thunaer ende Woden d ende Saxnote ende allèm them unholdum the hira genotas sint.
gelobistu e in Got alamehtigan fadaer? ec gelobo in Got alamehtigan fadaer.
gelobistu in Crist Godes suno? ec gelobo in Crist Gotes suno.
gelobistu in halogan Gast? ec gelobo in halogan Gast.
Forsahhistu unholdun? -Ih fursahu.
Forsahhistu unholdun uuerc indi uuillon? -Ih fursahhu.
Forsahhistu allem them bluostrum indi den gelton indi den gotum thie im heidene man zi bluostrum indi zi geldom enti zi gotum habent? -Ih fursahhu.
Gilaubistu in got fater almahtigan? -Ih gilaubu.
Gilaubistu in Christ gotes sun nerienton? -Ih gilaubu.
Gilaubistu in heilagan geist? -Ih gilaubu.
Gilaubistu einan got almahtigan in thrinisse inti in einisse? -Ih gilaubu.
Gilaubistu heilaga gotes chirichun? -Ih gilaubu.
Gilaubistu thuruh taufunga sunteono forlaznessi? -Ih gilaubu.
Gilaubistu lib after tode? -Ih gilaubu.
Entsagst du dem Teufel? ich entsage dem Teufel.
Und aller Teufelsgilde? und ich entsage aller Teufelsgilde.
Und allen Teufelswerken? und ich entsage allen Teufels Werken und Worten, Thunaer und Woden
und Saxnote, und allen den Unholden die ihre Genossen sind.
Glaubst du an Gott allmächtigen Vater? ich glaube an Gott allmächtigen Vater.
Glaubst du an Christ Gottes Sohn? ich glaube an Christ Gottes Sohn.
Glaubst du an den heiligen Geist? ich glaube an den heiligen Geist.


"... 'Wäre es nun auch Dein Wille, waltender Herr mein, daß sie hier an Speeres Spitze uns spießen sollten, wund von Waffen, dann wäre uns nichts so lieb, als daß wir hier für unsern Gefolgsherrn sterben müßten, bleichen Leibes!'
Da erzürnte sich der kühne Schwertmann, Simon Petrus, da schwoll ihm der Sinn, kein einziges Worte konnte er sprechen: so bitter ward ihm ums Herz, daß man seinen Herrn dort binden wollte. Zornvoll ging er da, der hochsinnige Held, um vor seinen Herrscher sich zu stellen, kühn vor seinen Herrn. Kein Wanken kannte sein Sinn, keine Furcht sein Herz, die Klinge zog er, riß das Schwert von der Seiote, schlug ein auf den vordersten der Feinde, mit der Kraft seiner Hände, so daß Malchus gezeichnet ward durch die Schärfe der Schneide, an der rechten Seite gezeichnet vom Schwert: das Ohr ward ihm zerhauen, er wurde am Haupte wund, daß ihm schwerblutig Wange und Ohr in Todeswunde barst: Blut sprang hervor, wallend aus der Wunde. Da wurde an seier Wange schartig der vorderste der feinde. Da wich das Kriegsvolk, sie scheuten den Biß des Schwertes." [22]

Was ist das für eine mitreißende Ausdrucksweise - schon in der Übersetzung - im Vergleich zum heutigen Bibeltext:

"Da hatte Simon Petrus ein Schwert / vnd zoch es aus / vnd schlug nach des Hohenpriesters Knechte / vnd hieb jm sein rechte Ohr ab. Vnd der Knecht hies Malchus." , Johannes 18, 36 [24]