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Laten

Bauer

Die Abgrenzung zwischen fränkischer, sächsischer, dänischer und slavischer Zugehörigkeit ist fließend und auch nicht zwingend erforderlich, da durch Beute, Transfer und Siedlungsverschiebungen auch die Vermischung von Ausrüstungs- und Bekleidungselementen wahrscheinlich war.


Liti (Laten, Halbfreie)


Die interessanteste Stellung innerhalb des sächsischen Ständegefüges nehmen die Liti ein. Nach Widukind waren sie am Anfang nur die „Überreste“ der besiegten Voreinwohner, die die sächsischen Eroberer im 6. Jahrhundert abgabenpflichtig gemacht hatten. Die Liti waren mit dem Land, welches sie bebauten, eng verbunden. Diese minderen Bauern verpflichteten sich gegenüber den Grundbesitzern zu Abgaben und sonstigen Leistungen. Aber sie waren, nach Philippi, keine Eigenhörige, sondern Grundhörige. Nach Rudolf von Fulda bekamen die Liti das Ostgebiet des Landes zur Bewirtschaftung gegen eine Abgabe. Als die Sachsen weitere Gebiete erwarben, kamen die dortigen Voreinwohner wahrscheinlich in gleicher Weise als neue Laten hinzu. Nach neueren Forschungen von E. Schubert übten die Liti auch ein Handwerk aus. Sie könnten „sowohl die Viehhirten im sächsischen Kaierde als auch die Hersteller von beeindruckenden Glasperlenketten“ sein. Die sächsischen Laten hatten gegenüber den Laten anderer Stämme eine außergewöhnlich günstige Stellung inne. Sie wirkten z.B. bei der Politik mit, während dies in anderen germanischen Verfassungen für die unteren Schichten des Volkes unüblich war. Nur Adel und Freie konnten in allen anderengermanischen Stämmen am politischen Leben teilnehmen. Die Laten in Sachsen hatten wie die Frilinge das Recht, Waffen zu tragen und auf der Volksversammlung zu erscheinen63. Die gehobene Stellung der Laten engte die der Freien ein, obwohl sie auf der Versammlung vermutlich keine große
Rolle gespielt haben. Während in anderen Stämmen die Halbfreie im allgemeinen das halbe Wergeld der Freien hatten, hatten sie in Sachsen drei Viertel des Wergeldes der Freien64. Aus der Tatsache, daß die Laten waffenfähig waren und Eigentum hatten, folgt, daß die Liti nicht zu den Sklaven gezählt werden können.
Daß ein Litus den Befehlen seines Herrn gehorchen soll, bedeutet, daß es eine persönliche Abhängigkeit zwischen den Edlingen und den Laten gab. Aber die dürftige Quellenlage erlaubt keine genaueren Aussagen. Die Laten wünschten im Stellingaaufstand, weiß Nithard zu berichten, nicht ihre Last ganz abzuwerfen, sondern einfach ihr Abhängigkeitsverhältnis wieder in die Zeit des Heidentums zurückzuversetzen.