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trimylchi

"... der  Walpurgis-Abend, die Walpurgis-Nach u.s.f. im gemeienen Leben, der Walper-Abend, die Walper-Nacht. Da sich das Jahr bey den Deutschen so wohl, als den übrigen Europäischen Völkern, in den ältesten Zeiten mit dem ersten May anfing, so ist der in Ansehung der Walpurgis-Nacht bey dem großen Haufen noch herrschender Aberglaube vermuthlich ein Überrest davon, und der bey dem Jahreswechsel ehem üblichem Gebräuche."  [Wörterbuch des 18. Jhs.]
 
"Dieses ist ein hoher Berg in Thüringen / genannt der Prockelsberg /wird allezeit ümb sich auff die sechszehen Meilewegs gesehen: dieser ist gar berühmt durch gantz Teuschtland / von den Hexen und Vnholden /daß sie alda jährlich in der Nacht VValpurgae, oder den ersten Maij ihren Convent und Hof halten sollen /alda von fernen Orten zusammen kommen / mit ihren Teuffeln buhlen / die Nacht zubringen mit spielen / zechen und Tantzen / wie auß ihren Außsagen kundbar / und ist auch gantz gläubich / wie ich auch mit anderen übereinstimme / daß gleichwie die Nymphae und Veneres zu Adams-Menschen Lust haben und solcher begehren / also ein Venus-Berg auffrichten / also auch die Teufel die Menschen mit ihren Wollüsten verführen / und einen benannten ort der Zusammenkuft erwehlen. Es hat ihn VVendelinus Helbachius Poeta also beschrieben.
 
Mons situs Herciniae est mediis in saltibus ingens,
Qui partu Budae divite gignit aquas.
Longinquis si quidem procul ille videtur ab oris,
Hunc Proculum meritò nomine req; vocant.
Namq; Thuringus eum cum Saxone cernit & Hessus,
Atq; Eisfeldiacae subdita turba Plagae.
Hic veluti reliquos excellit corpore montes,
Quotquot in Herciniae saltibus esse vides.
Nobilitate sua sic hos quoque vincit & arte,
Et capitis vera proprietate sui.
Numen inest etenim coelestis & Hexis in ipso
Qui pressit claros imbriferosq; dies.
Estq; Cheruscorum sic practica certa, magisq; huic,
Quam qui sunt celebres creditur arte poli.
Nam si mane caput nebula tegit atq; tenebris,
Aut pluvias aut fert nubila sive nives.
At si despositis videt ardula lumina solis
Nubibus, est certo clara futura dies."
 
 
 
 
In Dithmarschen zündet man am Walpurgisabend, dem Abend vor dem ersten Mai, auf Hügeln und Kreuzwegen große Feuer an, die man Baken nennt. Knaben und junge Leute tragen von allen Seiten Stroh und dürre Reiser zusammen, und unter Jubeln und Springen wird der Abend bei der Flamme hingebracht. Einige größere Burschen nehmen ganze Strohbündel  auf eine Forke, laufen damit umher und schwenken sie so lange, bis sie ausgebrannt ist. Ebenso feiert man auch auf Fehmarn, das von Dithmarschen aus ist vorzeiten bevölkert worden, mit Bakenbrennen den Maiabend. [10]
 

Wer eine Hexe werden will, ergibt sich dem Teufel und schwört Gott ab mit diesen Worten:


Hier trete ich in dieses Nest,

und verlasse unsern Herrn Jesu Christ!


Dann gelingt die Zauberei, worin sie sich einander unterrichten und die sie von dem Teufel lernen, der zu ihnen kommt. In der Johannisnacht, auch in der Mainacht, halten sie ihre Zusammenkünfte und Tänze. Das geschah bei Schleswig auf der Kropperheide und auf dem Priserfelde oder Priserberge. Bei Schuby zeigt man auf der sogenannten Brutkoppel noch den kleinen Pisberg, wo auch die Hexentänze geschahen. In Holstein versammelten sie sich auf dem Blumenberge bei Finzier, nicht weit von Oldesloe oder dem bei Süsel. Von da kommen sie immer todkrank nach Hause. Die aber, welche auf dem Rugenberge bei Heiligenhafen, auf dem Lütjenbroder Felde an der Ostsee, einem großen Grabhügel, sich versammelten, spürten keine Müdigkeit darnach und niemand konnte ihnen am andern Morgen was anmerken. Es wird aber auch von allen Hexen erzählt, daß sie am Wolbersabend nach dem Blocksberge geritten seien. Niemand darf sie an dem Abend hindern und wer ein Kreuz über die Tür macht, durch die sie abfahren müssen, erfährt nachher ihre Rache und wird durchgeprügelt. Sie fahren zu den Schornsteinen und den Eulenlöchern hinaus, und reiten auf Besen, Ziegenböcken, Katzen, Hähnen, alten Säuen, Eseln und bunten Hunden, die der Teufel ihnen oft schickt.

Von dem Fest auf dem Rugenberg wird nun so erzählt: Sobald die Hexen jede auf ihre Weise da angelangt sind, bereiten sie sich eine Mahlzeit, entweder aus Gänse- oder aus grünem (frischgekochtem) Ochsenfleisch und besprengen es mit Senf. Dazu essen sie Grapenbrote und trinken Bier aus hölzernen oder zinnernen Schalen. Den Kessel bringt der Teufel mit aus Lütjenbrode. Dann beginnt der Tanz, jede Hexe tanzt mit ihrem Teufel, ein altes Weib singt dazu und zwei Kessel werden geschlagen: auf den Bergen umher leuchten die Feuer dazu. Wer in die Nähe kommt, wird mit in den Kreis hineingezogen und so lange herumgeschwenkt, bis er atemlos niedersinkt. Sobald es Tag wird, verschwindet alles. Am andern Morgen findet man auf dem Berge Spuren von Federvieh, von Pferde- und Ziegenfüßen und in der Mitte liegt ein Häuflein Asche.
Nach mündlichen und schriftlichen Mitteilungen. Hexenprozeßakten in Mskr.; gedruckt in (Niemann) Blätter für Polizei und Kultur 1799, I, 64. Provinzialberichte 1812, 303 1817, 174. Staatsbürgerl. Magazin IV, 475. VI, 703. VII, 745. X, 608. 1004. Schlesw.-Holst. Anzeigen 1841, Nr. 32 ff.

 
Weitere Überlieferungsfetzen
 
  • In Holstein versammeln sie [die Hexen] sich auf dem Blumenberge bei Finzier, nicht weit von Oldesloe [12]
  • Die Walpurgisnacht wird in Schleswig-Holstein auch Wolbersabend (Wolper-Tiermischwesen?) genannt [12]
  • In  den Holstein'schen Sagen schlüpfen Hexen in Kröten, Adler, Schwäne, Pferde und Katzen, Hunde, Wölfe, Füchse, Spinnen ...[23]
  • Im Alstertal gehörte zur Ausstattung der "Schaffer" - des Festausschußes, idealerweise ein zahmer Fuchs[14]
  • Im Mai werden in den norddeutschen Landen die "Maiböcke" gebraut und reichlich - oft bis zur Besinnungslosigkeit - getrunken [6]
  • Hat die "Ausgießung des Heiligen Geistes" - die "Trinitas Dei" möglicherweise mit "Tri Milci" zu tun?
  • Pfingsten, Walpurgnisnacht und Sonnenwende sind mir in ihren Bezügen und Abgrenzungen noch unklar!
  • Unruhenacht [22]
  • Siebenerlei Blumen unter dem Kopfkissen, um vom zukünftigen Mann zu träumen
  • Maibaum, Maistangen (!)
  • In Schlesien hat sich der Brauch gehalten, dem Vieh in der Walpurgnisnacht sieben oder neunerlei Kräuter zu fressen zu geben [18]
  • Die Erle heißt auch "Walperbaum" [19]